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Stand: 25.08.2010

Deutsch-Französische Gesellschaft in Potsdam e.V.

500 Besucher in der Residence

Zweimal im Mai und im September reisten wir mit Seniorengruppen in die französische Metropole Paris und dabei auch in Potsdams französische Partnerschaft Bobigny. Wie schon traditionell seit 1994 waren wir auch diesmal eingeladen in die Residence „Gaston Monmousseau” (kommunales Altersheim) zum 11. und 12. Seniorentreffen, d.h. zwölf mal Gastfreundschaft mit 12 Busreisegruppen: Das sind rund 500 Besucher aus Potsdam und Umland (einige schon mehrmals)!

Unmöglich, auch nur das Wichtigste der Erlebnisse bei diesen Begegnungen aufzuschreiben. Trotzdem, einiges Markantes sei vermerkt.

Rudi Wünsche begann Anfang der 90er Jahre mit den Seniorentouren zum Pressefest der L’Humanité. Erste Kontakte mit den französischen Freunden brachten uns die Einladung, uns in Bobigny das Leben der Alten doch genauer anzuschauen, eben ein Altersheim zu besuchen. Und so wurde 1994 der Besuch der Residence in Bobigny ins Reiseprogramm aufgenommen, und elf weitere folgten...

Wir waren mehr als gern gesehene Gäste. Temperamentvolle Gesprächsrunden immer wieder neu über das Leben im Altersheim in Bobigny - aber auch Kranken- und Renten-versicherung in Frankreich und Deutschland, das Leben in Ostdeutschland, Traditionen des 1. Mai in Frankreich und Deutschland, Generationsfragen und antifaschistischer Kampf usw. konfrontierten uns Touristen mit den Realitäten der Gegenwart. Deutschlehrer des Lyzeums zeigten sich meist mit unseren leidenschaftlichen Debatten überfordert. In den letzten Jahren bauten vor allem Henri Amerein, Jean Wendling und neuerdings auch Charles Trochaud - alle selbst Rentner - Brücken über die Sprachbarrieren.

Aber natürlich erlebten wir immer wieder lukullische Überraschungen vom Heimkollektiv: Erfrischende, aber auch süffige, eben französische Aperitife, dazu kalte Platten mit Gänsepasteten, französischer Salami und vor allem Käse aller Art...

Unsere Freundschaftsgeschenke nahmen sich dabei mehr als bescheiden aus - aber sie waren nicht gesponsert, schon gar nicht vom Potsdamer Rathaus. Wir lernten dabei auch.

So war unser Paul Juche sehr enttäuscht, als ihm nicht gestattet wurde, unsere kleine mär-kische Kiefer im Garten des Seniorenheimes einzupflanzen. Dafür sei der Stadtgärtner zuständig. Übrigens, sie ist in dem Lehmboden des Pariser Umlandes leider nicht angewachsen.

Ohne zu übertreiben, heute gehören unsere Besuche in Bobigny zur Selbstverständlichkeit, auch im öffentlichen Leben der Stadt und ihren Nachbarorten (Drancy-KZ-Gedenkstätte). Seit einigen Jahren beteiligen sich einige auch an unseren Ausflügen mit Picknick nach Fontainebleau oder auf den Pariser Montmartre. Es war mehr als Ausdruck besonderer Wertschätzung, als uns der Bürgermeister von Bobigny während unseres diesjährigen Mai-Besuches einlud, an der feierlichen Manifestation am 8. Mai, dem Jahrestag der Befreiung, in der Straße des 8. Mai 1945 teilzunehmen und als erste - vor allen anderen Delegationen - unsere Blumen niederzulegen.

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Aber das Wichtigste sei noch zu vermerken: Es gibt in Bobigny im dortigen Seniorenwohnheim eine Persönlichkeit, die seit vielen Jahrzehnten für deutschfranzösische Ver-ständigung, Frieden und Völkerfreundschaft wirkt, der katholische Pfarrer i.R. Jean Dechet, nun-mehr 89 Jahre, bis zur Stunde der spiritus rector all unserer Begegnungen und Gespräche und schon voller Ideen für 2005. Eigentlich hätte er sich gewünscht und auch verdient, im jetzt zu Ende gehenden Jahr 2004 die Tatsache zu würdigen, dass vor 30 Jahren der Vertrag der Städtepartnerschaft Potsdam-Bobigny unterzeichnet wurde (1990 von Dr. Gramlich in Bobigny erneuert).

Das ist auch meine Meinung.

Horst Klett