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Bericht über die Arbeitsgruppe 5
„Erfahrungen mit dem deutsch-französischen Geschichtsbuch“
Moderation: Prof. Dr. Herbert Christ, Düsseldorf
Referent: Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Leiter des Ernst-Klett Verlags Leipzig
Ausgehend von der Überzeugung, dass das Deutsch-Französische Geschichtsbuch ein
herausragendes Ereignis in den deutsch-französischen Beziehungen ist und ein Instrument
darstellt, das den Geschichtsunterricht in beiden Ländern, aber auch den Deutschunterricht in
Frankreich und den Französischunterricht in Deutschland verändern kann, wurden in der
Arbeitsgruppe Erfahrungen mit dem Buch ausgetauscht:
Wie wird es von den Geschichtslehrern, aber auch den Deutsch- und
Französischlehrern, von den Schülern und der breiteren Öffentlichkeit angenommen?
Wo kommt es zum Einsatz? Wie weit ist es verbreitet? Inwieweit ist es mit den
Richtlinien und Programmen, mit den Bestimmungen für die zentralen Prüfungen
kompatibel?
Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe konnten zu diesen Fragen als aktive oder ehemalige
Lehrer, als Eltern von Schülern oder als Beobachter der Schulen zahlreiche Eindrücke und
Erfahrungen austauschen, die Dr. Körner-Wellershaus als Verleger durch einen breiteren
Überblick ergänzte.
Sowohl der dritte Band (für die Zeitgeschichte seit 1945) wie der zweite Band (für die
Periode von 1915 bis 1945) sind in Deutschland und Frankreich etwa gleichmäßig
verbreitet (bisher je 45.000 Verkäufe für den dritten und 18.000 für den zweiten Band).
Genaue Angaben über die tatsächliche Benutzung in Klassen der gymnasialen Oberstufe
und den lycées sind derzeit nicht zu erhalten.
Man weiß, dass vor allem in bilingualen Klassen in Deutschland und in den classes
européennes in Frankreich mit dem Buch gearbeitet wird.
Es wurde weiterhin berichtet, dass manche Lehrer einzelne Dossiers aus dem
Geschichtsbuch für bestimmte Themen heranziehen.
Es besteht eine Nachfrage aus dem historisch interessierten Publikum.
In einigen Bundesländern erschweren derzeit die Richtlinien den Einsatz.
Dr. Körner-Wellershaus berichtete von teils erwarteten, teils unerwarteten „Nebenwirkungen“
des Geschichtsbuchs. Es stieß in anderen europäischen Ländern und – überraschenderweise –
in Ostasien auf großes Interesse. Solche Wirkungen hatten die Autoren im Blick, als sie im
Vorwort des Dritten Bandes von 2006 schrieben, dass dieses einzigartige Experiment zur
gemeinsamen Darstellung einer komplexen und vielschichtigen Geschichte auch auf andere
Länder, andere Kulturen oder andere Regionen der Welt übertragen werden kann (S. 7).
So verwunderte es nicht, dass sehr bald gefragt wurde, ob nicht ein französisch-spanisches,
französisch-britisches oder deutsch-polnisches Geschichtsbuch in Auftrag gegeben werden
sollte. Die Arbeiten an einem deutsch-polnischen Geschichtswerk haben begonnen.
Überraschend war dagegen das Interesse, das das Geschichtsbuch in Südkorea und Japan
weckte. Eher anekdotischen Charakter haben diplomatische Interventionen beider Länder
wegen der Benennung des Japanischen Meeres/Mer du Japon (Band III, S. 69). Südkoreas
Diplomatie verlangte eine Änderung: Mer de l’Est/Ostsee, Japan bat um die Beibehaltung des
Terminus. Da die UNO bisher in dieser Sache keinen Beschluss gefasst hat, hielten die
Häuser Klett und Nathan an der traditionellen Bezeichnung fest. Von grundsätzlicher
Bedeutung ist jedoch, dass sowohl japanische wie südkoreanische Historiker und Politiker im
deutsch-französischen Geschichtsbuch ein denkbares Modell für die eigene
Schulgeschichtsbuchschreibung mit Blick auf das jeweils andere Land erkannten. Südkorea
hat aus dieser Erkenntnis die Konsequenz gezogen, das Geschichtsbuch ins Koreanische
übersetzen zu lassen.
Dieser Blick auf die „Nebenwirkungen“ machte den Teilnehmern an der Arbeitsgruppe 5
noch einmal deutlich, was der von den Autoren angestrebte „Mehrwert“ des Geschichtsbuchs
ist: „Miteinander verflochtene Geschichtsverläufe, eine geteilte oder umstrittene
Erinnerungskultur, die Wahrnehmung einer und derselben Realität aus unterschiedlichen
Perspektiven, die Analyse der Gemeinsamkeiten, der Unterschiede und der Wechselwirkungen
zugunsten einer erweiterten Lesart der Geschichte eines jeden einzelnen Landes , der
Geschichte beider Länder in ihren wechselseitigen Beziehungen, aber auch einer Geschichte
dieser Länder in ihrem europäischen und internationalen Umfeld“ (Band III, S. 6) sollen
dargestellt werden und an ihnen soll man lernen, „mit verschränktem Blick“ – « à regard
croisé » und am besten in zwei Sprachen Geschichte zu lernen.
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