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Stand: 21.04.2012

Deutsch-Französische Gesellschaft in Potsdam e.V.

Bericht über die Arbeitsgruppe 5

„Erfahrungen mit dem deutsch-französischen Geschichtsbuch“

Moderation: Prof. Dr. Herbert Christ, Düsseldorf

Referent: Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Leiter des Ernst-Klett Verlags Leipzig

Ausgehend von der Überzeugung, dass das Deutsch-Französische Geschichtsbuch ein

herausragendes Ereignis in den deutsch-französischen Beziehungen ist und ein Instrument

darstellt, das den Geschichtsunterricht in beiden Ländern, aber auch den Deutschunterricht in

Frankreich und den Französischunterricht in Deutschland verändern kann, wurden in der

Arbeitsgruppe Erfahrungen mit dem Buch ausgetauscht:

Wie wird es von den Geschichtslehrern, aber auch den Deutsch- und

Französischlehrern, von den Schülern und der breiteren Öffentlichkeit angenommen?

Wo kommt es zum Einsatz? Wie weit ist es verbreitet? Inwieweit ist es mit den

Richtlinien und Programmen, mit den Bestimmungen für die zentralen Prüfungen

kompatibel?

Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe konnten zu diesen Fragen als aktive oder ehemalige

Lehrer, als Eltern von Schülern oder als Beobachter der Schulen zahlreiche Eindrücke und

Erfahrungen austauschen, die Dr. Körner-Wellershaus als Verleger durch einen breiteren

Überblick ergänzte.

Sowohl der dritte Band (für die Zeitgeschichte seit 1945) wie der zweite Band (für die

Periode von 1915 bis 1945) sind in Deutschland und Frankreich etwa gleichmäßig

verbreitet (bisher je 45.000 Verkäufe für den dritten und 18.000 für den zweiten Band).

Genaue Angaben über die tatsächliche Benutzung in Klassen der gymnasialen Oberstufe

und den lycées sind derzeit nicht zu erhalten.

Man weiß, dass vor allem in bilingualen Klassen in Deutschland und in den classes

européennes in Frankreich mit dem Buch gearbeitet wird.

Es wurde weiterhin berichtet, dass manche Lehrer einzelne Dossiers aus dem

Geschichtsbuch für bestimmte Themen heranziehen.

Es besteht eine Nachfrage aus dem historisch interessierten Publikum.

In einigen Bundesländern erschweren derzeit die Richtlinien den Einsatz.

Dr. Körner-Wellershaus berichtete von teils erwarteten, teils unerwarteten „Nebenwirkungen“

des Geschichtsbuchs. Es stieß in anderen europäischen Ländern und – überraschenderweise –

in Ostasien auf großes Interesse. Solche Wirkungen hatten die Autoren im Blick, als sie im

Vorwort des Dritten Bandes von 2006 schrieben, dass dieses einzigartige Experiment zur

gemeinsamen Darstellung einer komplexen und vielschichtigen Geschichte auch auf andere

Länder, andere Kulturen oder andere Regionen der Welt übertragen werden kann (S. 7).

So verwunderte es nicht, dass sehr bald gefragt wurde, ob nicht ein französisch-spanisches,

französisch-britisches oder deutsch-polnisches Geschichtsbuch in Auftrag gegeben werden

sollte. Die Arbeiten an einem deutsch-polnischen Geschichtswerk haben begonnen.

Überraschend war dagegen das Interesse, das das Geschichtsbuch in Südkorea und Japan

weckte. Eher anekdotischen Charakter haben diplomatische Interventionen beider Länder

wegen der Benennung des Japanischen Meeres/Mer du Japon (Band III, S. 69). Südkoreas

Diplomatie verlangte eine Änderung: Mer de l’Est/Ostsee, Japan bat um die Beibehaltung des

Terminus. Da die UNO bisher in dieser Sache keinen Beschluss gefasst hat, hielten die

Häuser Klett und Nathan an der traditionellen Bezeichnung fest. Von grundsätzlicher

Bedeutung ist jedoch, dass sowohl japanische wie südkoreanische Historiker und Politiker im

deutsch-französischen Geschichtsbuch ein denkbares Modell für die eigene

Schulgeschichtsbuchschreibung mit Blick auf das jeweils andere Land erkannten. Südkorea

hat aus dieser Erkenntnis die Konsequenz gezogen, das Geschichtsbuch ins Koreanische

übersetzen zu lassen.

Dieser Blick auf die „Nebenwirkungen“ machte den Teilnehmern an der Arbeitsgruppe 5

noch einmal deutlich, was der von den Autoren angestrebte „Mehrwert“ des Geschichtsbuchs

ist: „Miteinander verflochtene Geschichtsverläufe, eine geteilte oder umstrittene

Erinnerungskultur, die Wahrnehmung einer und derselben Realität aus unterschiedlichen

Perspektiven, die Analyse der Gemeinsamkeiten, der Unterschiede und der Wechselwirkungen

zugunsten einer erweiterten Lesart der Geschichte eines jeden einzelnen Landes , der

Geschichte beider Länder in ihren wechselseitigen Beziehungen, aber auch einer Geschichte

dieser Länder in ihrem europäischen und internationalen Umfeld“ (Band III, S. 6) sollen

dargestellt werden und an ihnen soll man lernen, „mit verschränktem Blick“ – « à regard

croisé » und am besten in zwei Sprachen Geschichte zu lernen.

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