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Festansprache des Präsidenten der DFG-Potsdam Dr. Udo Scholze, aus Anlass des 15-jährigen Bestehens unserer Gesellschaft
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Mitglieder der Deutsch – Französischen Gesellschaft Potsdam,
liebe Gäste,
es ist mir eine Freude, Sie / Euch alle aus Anlaß des 15jährigen Bestehens unserer Gesellschaft hier begrüßen zu dürfen.
Besonders freue ich mich, daß Frau Müller in Vertretung des Oberbürgermeisters den Weg zu uns gefunden hat. Ihr Hiersein mag ein Indiz dafür sein, daß die Stadt unserer Tätigkeit weiterhin wohlwollende Aufmerksamkeit schenkt. Und – das erlaube ich mir an dieser Stelle einzuflechten – sollte diese wohlwollenden Betrachtung eines Tages umschlagen in eine große Unterstützung, würden wir uns dem nicht widersetzen.
Eine solche Unterstützung erhalten wir seit nunmehr fünf Jahren seitens der Association franco - allemande Versailles – Potsdam. Und es ist mir deshalb eine große Freude, neben den anderen Vertretern dieser Gesellschaft meinen Bruder im Amte und im Geiste, Monsieur Pierre-Roger Klein, begrüßen zu können. Er ist dank seines Wirkens für viele unserer inzwischen mehr als 60 Mitglieder ein guter Bekannter und Freund geworden.
Monsieur Klein, schön, daß Sie da sind.
Nicht minder herzlich begrüße ich die Vertreter aller Einrichtungen, Gruppen und Vereine, mit denen die Deutsch-Französische Gesellschaft im Laufe der Jahre zusammengearbeitet hat und es nach Maßgabe der Dinge auch weiterhin tun wird. Wenn ich hier stellvertretend zwei unserer Partner nenne, dann deshalb, weil sie heute unmittelbar mit dem Wohl und Wehe unseres kleinen Empfangs betraut sind. So freue ich mich zum einen, daß die Angestellten, Lehrmeister und Auszubildenden des Internationalen Bundes am heutigen Abend so für unsere leibliches Wohl sorgen, wie sie es in einer Fülle von Veranstaltungen zur schmackhaften Zufriedenheit aller Teilnehmer bereits getan.Ich hoffe sehr, wir finden heute die Möglichkeit, auch einmal miteinander anzustoßen.
Zum anderen begrüße ich in unserer Mitte auch wieder das Duo Unisono, daß uns alle musikalisch bereits empfangen hat und von dem noch mehr zu hören sein wird. Peter Buchheim und Christel Löblich haben schon aus Anlaß unseres zehnjährigen Bestehens hier agiert, sie haben – wie man sich leicht vorstellen kann, wenn man sie gehört hat – einen vollen Terminkalender und deshalb wäre es vielleicht nicht falsch Peter, wenn Du schon einmal einen Termin für den April 2010 vormerkst, denn dann haben wir vor, unser zwanzigjähriges Bestehen zu feiern.
Doch der heutige Abend ist natürlich weniger dazu angetan in die Zukunft zu schauen, als vielmehr ein wenig als vielmehr das Leben unseres Vereins Revue passieren zu lassen. Dabei ist es keine Frage, daß eine Gesellschaft, die in ihrem Namen auch dezidiert auf die Stadt verweist, natürlich auch eng mit ihr verbunden ist. Bei der Vorbereitung auf den heutigen kleinen Empfang ist mir deutlich geworden, daß die DFG leider mit vielen Tiefpunkten des städtischen Lebens Berührung gehabt hat. Eine erste Veranstaltung derer, die aus welchen Gründen auch immer an Frankreich interessiert waren, fand im Januar 1990 im damaligen Orion statt. Wir können heute darüber lächeln, aber die meisten der dort Anwesenden sahen in einer zu gründenden deutsch-französischen Gesellschaft ein Mittel, möglichst schnell und günstig nach Frankreich reisen zu können.
Damals war der Raum des Orion brechend voll, heute gibt es die Einrichtung als solche nicht mehr.
Die Gründungsversammlung der DFG fand wenige Wochen später im Treffpunkt Freizeit statt. Anwesend war mehr als 200 Personen, die unseren Verein aus der Taufe hoben. Mitglied im Verein wurden zunächst jedoch nur knapp 20, die anschließend den Kampf mit den Behörden um die richtige Form der Satzung, die Eintragung ins Vereinsregister und die Akzeptanz als gemeinnütziger Verein aufnahmen und diesen auch gewannen Der Treffpunkt Freizeit, der Ort unserer Gründungsversammlung also, hat seit dem schwierige Zeiten durchlebt.
Für eine Vielzahl unserer Veranstaltungen, für Dia-Abende zu verschiedenen Regionen Frankreichs, für mehrere von der Gesellschaft organisierte Chansons-Abende und nicht zuletzt für unsere Weihnachtsfeiern sind wir gern Gast im Haus der Begegnung gewesen. Auch diese Einrichtung gibt es als solche nicht mehr.
Als 1992 die seit den 70er Jahren bestehende Städtepartnerschaft zu Bobigny erneuert wurde, war das für die Mitglieder des Vereins eine wirkliche Motivation, bekam doch das in der Satzung festgehaltene Ziel, für das bessere Kenn- und Verstehenlernen von Deutschen und Franzosen zu arbeiten, eine konkrete Ausrichtung. Leider fand sich im Laufe der Jahre in der nordöstlich von Paris gelegenen Stadt kein Partner, der mit uns zusammenarbeiten wollte oder konnte.
Nun endet an dieser Stelle glücklicherweise die Auflistung jener Einrichtungen, die mit der DFG zusammengearbeitet haben und nicht oder nur mehr bedingt existent sind. Ich kann ihnen versichern, Bobigny gibt es noch und nach dem jüngsten Besuch unseres Oberbürgermeisters scheinen sich Interessenten an einer Belebung der Städtepartnerschaft gefunden zu haben. Nur wenn diese von den Bürgern auch mit Leben erfüllt wird, kann sie Bestand haben. Die deutsch – französische Gesellschaft Potsdam ist bereit daran mitzuwirken.
Wir werden das tun ohne unsere Beziehungen zu der eingangs erwähnten association franco-allemande Versailles – Potsdam zu vernachlässigen. Die enge Verbindung zu dieser Gesellschaft hat im Sinne unserer Satzung Deutsche und Franzosen zusammengeführt. Denen, die dabei waren, werden die einmaligen Tage, die wir im September 2000 im Park und im Schloß von Versailles verbringen konnten, unvergeßlich bleiben. Die Beziehungen zwischen dem deutschen und dem französischen Verein haben darüber hinaus – in erster Linie durch das schier rastlose Wirken von Monsieur Klein – eine Vielzahl weitere deutsch-französischer Begegnungen und Verbindungen bewirkt. Feuerwehrleute, Künstler und Umweltschützer aus Potsdam und Versailles fanden einander, gewannen Einblicke in die Tätigkeit und die Probleme der jeweils anderen, sie lernten ihre Kollegen und deren Heimat kennen. Lange bevor es die Beziehungen zwischen den Lehrstühlen für Mathematik der Universitäten von Versailles und Potsdam gab, war unser Vereinsmitglied Sandra Rath bereits zu einem Praktikum in Versailles.
Ich denke, es steht für alle außer Frage, daß diese bis dato ungetrübte Erfolgsbilanz in erster Linie eine Verpflichtung nicht nur für alle Mitglieder des Vereins sondern auch für die Stadt ist.
Wenn die deutsch – französische Gesellschaft Potsdam in den Stürmen der bewegten Zeiten, die hinter uns liegen, nicht die Richtung verlor und auch nicht – wie analoge Gründungen in Rostock, Magdeburg und anderen Städten der neuen Bundesländer - unterging, so hat das eine Vielzahl von Gründen. Auf einige möchte ich hier kurz verweisen.
Es ist erstens so, daß die deutsch – französische Gesellschaft über einen aktiven, ich erlaube mir zu sagen, harten Kern verfügt. Eine ganze Reihe von Mitgliedern ist seit dem Gründungsjahr in unserem Verein. Allen voran ist hier sicher Frau Veit zu nennen, die – so könnten Außenstehende meinen – seitdem nichts anderes tut, als Räume zu organisieren, Termine abzusprechen und die Post zu verteilen. Doch die Mitglieder der DFG wissen, daß unserer Geschäftsführerin auch darüber hinaus in mannigfaltiger Weise aktiv ist.
Zweitens möchte ich darauf aufmerksam machen, daß unser Verein eine offene und arbeitende Gesellschaft ist. Offen, weil die Sitzungen des Vorstandes öffentlich sind, und die Mitglieder nicht nur die Möglichkeit haben, sich auch an diesem Teil des Vereinslebens zu beteiligen, sondern weil sie es auch tun. Eine offene Gesellschaft sind wir auch, weil die von uns organisierten Veranstaltungen allen Interessierten offenstehen. Und offen schließlich, weil wir kontinuierlich über unsere Tätigkeit und unsere Vorhaben berichten. In den Anfangsjahren, als das Geld des Vereins, der sich ausschließlich über die Beiträge seiner Mitglieder finanziert, noch knapper war, wurden die Mitgliederinformationen mit dem Fahrrad transportiert. Heute haben die meisten einen Internetanschluß und bekommen auf diesem Wege die Informationen des Vereins. Hier ist für mich der Punkt, darauf zu verweisen, daß die DFG Potsdam seit kurzem über eine eigene Homepage verfügt. Gerade weil der Weg dorthin so langwierig und mühevoll war, freuen wir uns, daß die von Christian Mickel betreute Seite nun endlich Realität geworden ist.
So offen, wie der Verein ist, so aktiv sind auch seine Mitglieder. Zwar haben wir, verglichen mit anderen deutsch-französischen Gesellschaften, weniger Mitglieder, jedoch ist deren prozentuale Beteiligung an den verschiedenen Veranstaltungen ungleich höher als bei den meisten anderen Vereinen. Es versteht sich von selbst, daß die Zahl der an den Veranstaltungen teilnehmenden so unterschiedlich ist wie die Menschen und deren Interessen. Zum ersten, 1995 gemeinsam mit der DFG Berlin organisierten Chansonabend, kamen mehr als 200 Besucher. Der Kabarettabend „Yin und Yan oder wie man mit Hilfe der chinesischen Philosophie ein besseres Bild vom Nachbarn gewinnt“ zog fast 150 in das „al globe“. Selbstverfaßte Lyrik zum deutsch – französischen Verhältnis hingegen, die man uns als Starthilfe 1991 mehr als nur nahelegte, vermochte lediglich das Interesse von zwei Personen zu wecken.
Aktiv sind die Mitlieder des Vereins aber auch im eigentlichen Sinne des Wortes. Sie bewegen sich – zum Sommerbeginn beim Boulespielen, oder beim nachweihnachtlichen Kampf der Kugeln gegen die Kalorien (oder anders formuliert: beim Bowlen). Sie bewegen sich darüber hinaus einmal monatlich in den Internationalen Bund, um unter Anleitung französisch kochen zu lernen und in Gesellschaft das solchermaßen Angerichtete genüßlich zu verspeisen. Und die DFG - Mitglieder bewegen sich einmal im Jahr auf einer Vereinsfahrt nach Frankreich. Waren bisher Versailles und die Bourgogne, die Normandie, die Provence und die Auvergne das Ziel unserer Reisen, so folgen wir in diesem Jahr den Spuren der Hugenotten von Potsdam bis an den Atlantik nach Nantes. Vorbeugend sei hier angemerkt, daß wir für diese Fahrt keine freien Plätze mehr haben, tröstend daß jedoch die Planungen für das kommende Jahr schon laufen.
Damit habe ich, meine sehr geehrten Damen und Herren, die kurze Rückschau auf die Vergangenheit unseres Vereins beendet. Sie werden im Laufe des Abends Szenen aus dem Vereinsleben auch noch bildlich dokumentiert bekommen. Der Mangel an prophetischen Gaben versagt mir einen Blick in die Zukunft, hindert mich aber nicht, meine Hoffnungen und Wünsche hier abschließend noch zum Ausdruck zu bringen.
Vom sicheren Weiterbestehen der deutsch-französischen Gesellschaft gehe ich aus und hoffe, daß sie weiter an Mitgliedern gewinnen wird. Ich hoffe weiterhin, daß es auch künftig gelingt, über die Tätigkeit im und mit dem Verein zum Kennenlernen und zum besseren Verständnis von Deutschen und Franzosen in ganz praktischer Art und Weise beizutragen. Ich hoffe sehr, daß wir mit Hilfe der Stadt einen funktionierenden Draht nach Bobigny finden und letztlich hoffe ich, Sie alle zur Feier unseres nächsten Jubiläums wiederzusehen.
Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.
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